Menschen - Siegert&Cie

Johann Gottfried (1750-1827)

Christoph Friedrich Siegert (1753-1814)

Die beiden Gründer: Gemeinsam kommen sie aus Sachsen nach Neuwied, wo die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen durch einen aufgeklärten Fürsten günstig sind – anders als in der vom Siebenjährigen Krieg gezeichneten sächsischen Heimat. Nicht nur unternehmerisch läuft es gut für die Brüder: Sie heiraten in die bekannte Seifensiederei Metzger ein – allerdings nacheinander. Und sie machen viel daraus. Sie legen den Grundstein für den Erfolg eines Familienunternehmens, das wachsen und gedeihen sollte. (Christoph Friedrich Siegert gründete später ein eigenes Unternehmen) Christian Gotthilf, der Sohn von Johann Gottfried, übernimmt die Geschäfte 1817.

Sophie Maria Reinhardt (1796-1866)

Die Frau von Christian Gotthilf Siegert wird früh zur Witwe: Ihr Mann stirbt bereits mit 49 Jahren. Der älteste Sohn August beendet gerade seine akademische Ausbildung an der Düsseldorfer Kunstakademie, die beiden Söhne, Ferdinand und Heinrich, sind gerade mal 15 und 18 Jahre alt. Zu jung, um das erfolgreiche Geschäft zu führen! Also nimmt Sophie Maria Siegert die Geschicke selbst in die Hand. Sie führt das Unternehmen Johann Gottfried Siegert & Sohn von 1840 bis 1852. Ihre Enkelin Marie, die zur Chronistin der Familiengeschichte wird, beschreibt sie als „das verehrte Haupt der Familie“: angstfrei, voller Tatendrang, dabei so bescheiden, dass es ihrem Sohn Ferdinand fast unheimlich ist. Er musste sie durchaus ermuntern, auch mal an sich selbst zu denken.

Ferdinand Siegert (1822-1889)

Der Sohn von Christian Gotthilf und Sophie Maria Siegert übernimmt gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich die Geschäftsführung im Jahr 1852. Mit Ferdinand Siegert wird vor allem der Neubau der Stearinfabrik verbunden, Bruder Heinrich kümmert sich um die Seifenherstellung.











Der innovatorische Impuls der Siegerts scheint groß gewesen zu sein. Waren neue Rohstoffe und Verfahren reif für den Markt, waren sie es auch für das Familienunternehmen. Ferdinand Siegert ist am Puls der Zeit. Seine unternehmerische Tätigkeit hindert ihn indes nicht daran, sich sozial und bürgerschaftlich zu engagieren. Großes Interesse hat er an religiösen Themen, er setzt sich stark für den Zusammenschluss der lutherischen und reformierten Kirche in Neuwied ein. Auch die Einführung der Ortskrankenkasse in Neuwied ist mit sein Verdienst. Bemerkenswert, wie er neben all diesen Tätigkeiten ein offenes Ohr für die Menschen in seiner Umgebung hat, insbesondere für diejenigen, die in Not geraten sind. Und schließlich genießt er das soziale Leben im Kreis von Familie und Freunden. Seine Tochter beschreibt das Leben der Familie in einem Haus mit offenen Türen und vielen Gästen.
Dem Vater scheint es trotz aller Arbeit zu gefallen. „Lasst mir nur mein Bett und meinen Stammplatz bei Tisch, dann ist mir alles recht.“ (Chronik von Marie Siegert, S. 19)

August Siegert (1857-1929)

Ein zartes Kind ist August Siegert in jungen Jahren. Der älteste Sohn von Ferdinand in einer Familie mit sechs Kindern kränkelt viel, ihm wird deshalb als Kind besondere Aufmerksamkeit und Pflege zuteil. Diese scheinen so gut zu fruchten, dass er – ganz nach Familientradition – seine Schul- und Ausbildungszeit ohne Probleme absolvieren kann, um ebenfalls ins Unternehmen einzusteigen. „Große Herzenswärme, Takt und reiches Wissen“ bescheinigt ihm seine Schwester Marie Siegert. August Siegert heiratet Lina Sarx und hat mit ihr vier Kinder. 1881 tritt er in die Firma mit ein und übernimmt nach dem Tod seines Vaters die Teilhaberschaft. Sein Bruder Rudolf kommt 1889 hinzu. August Siegert liegen die technischen Innovationen sehr am Herzen, während Rudolf sich um das Kaufmännische kümmert. Zur Zeit seiner Geschäftsführung wird das Unternehmen in eine AG umgewandelt (1922).

Friedrich Siegert (1860-1934)

spielt zwar keine Rolle in der Familien-Firma Siegert & Cie., aber er übernimmt 1884 die Führung der Bimsstein-Fabrik „Friedrich Remy Nachf.“ und wird 1889 Inhaber. Der Grundbesitz umfasst 1890 14 Morgen, im Jahr 1930 480 Morgen. Die Presse erwähnt das Ansehen der Firma und seiner Persönlichkeit: „Friedrich Siegert stellt seine Arbeitskraft uneigennütziger Weise in den Dienst der Allgemeinheit.“ und gilt als „Pionier der Rheinischen Bimsstein-Industrie“. In der Familie wird er liebevoll anerkennend als der erfolgreiche „Standstein-Klopper“ bezeichnet. In seiner Todesanzeige steht: „geliebt von der ganzen Familie, geehrt von Mitarbeitern und Freunden, geschätzt von seinen Mitbürgern“. Eine Straße in Neuwied trägt seinen Namen.

Ferdinand Siegert (1890-1950)

Ferdinand Siegert, ein Sohn Augusts, ist das letzte im Betrieb aktive Familienmitglied. Kurz vor dem ersten Weltkrieg kommt er ins Unternehmen, während der Kriegsjahre muss es auf ihn verzichten. In seine Ägide fällt die Übernahme durch Henkel. Er leitet die Firma viele Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1950.

Familientag auf dem Petersberg (1935)

Dieser Familientag wird organisiert vom Düsseldorfer Reichsbankdirektor Julius Siegert, Sohn von Ferdinand sowie von Thilde Erbslöh, der Enkelin des Malers August Siegert. Es wird berichtet, dass dieser Familientag einen schönen Verlauf nahm … Nach diesem Datum scheint das gemeinsame Band der Familie sich nach und nach gelöst zu haben.

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