de Haen-Carstanjen & Söhne

Die Unternehmensführungen von dHCS:

  • 1827 – 1857   Wilhelm de Haen
  • 1857 – 1889   Eduard (-1887), Carl (-1893) und Julius de Haen (-1889)
  • 1889 – 1919   Adolf Siegert
  • 1919 – 1959   Theo Siegert
  • 1959 – 1993   Friedrich Siegert
  • 1993 – 000*   Theo Siegert

1823 | Werden und Wachsen

1823-26 beteiligt sich Wilhelm de Haen (1791-1862) an der Material- und Drogenhandlung Curtius, Carstanjen & de Haen. Ab 1827 führt er die Geschäfte unter der Firmierung „H. Nierstraß & de Haen“ in Duisburg weiter (1827-1841). Bittere Erfahrungen macht er 1833 mit süßen Geschäften. Eine Zuckerrübenfabrik, in die er die Hälfte seines Vermögens investiert, arbeitet mit großen Verlusten. Aufgefangen werden sie von den ertragreichen Handelsgeschäften. Zukünftig folgt er bei Unternehmensinvestitionen dem klugen Rat seiner Frau: „Lege allen Fleiß in deine Arbeit; dein Geld aber stecke nur in Sachen, die du gründlich verstehst.“

1841 | Die Bahn kommt: Nach Düsseldorf!

1841 verlegt de Haen den Firmensitz nach Düsseldorf, zu der Zeit eine aufstrebende Stadt am Rhein, die mit Wasserwegen und aufkommender Eisenbahn über eine hervorragende Infrastruktur verfügt. Das Unternehmen zieht in die Bilker Straße 12-14 (heute Heinrich-Heine-Institut). Vertrieben werden weiterhin Materialwaren, Farben, Drogen, Apothekerwaren und Chemikalien. Wilhelm de Haen ändert den Firmennamen in „de Haen-Carstanjen“: Carstanjen ist der Mädchenname seiner Frau. Sie ist die Tochter des Medizinprofessors Jacob Carstanjen, der an der Universität Duisburg lehrt. Das älteste erhaltene Preis-Courant, „de Haen-Carstanjen 1842“ dokumentiert die Angebotspalette.

1852 | Künstler und Kaufleute

Die einzige Tochter von Wilhelm und Elisabeth Jacobine de Haen, Mathilde, heiratet den Düsseldorfer Maler Friedrich August Siegert, einen Enkel von Johann Gottfried Siegert aus Neuwied. Diese Heirat verbindet die beiden Kaufmannsfamilien Siegert und de Haen miteinander. Der Maler Friedrich August Siegert ist Schüler des Künstlers Wilhelm von Schadow und wird 1873, zur Blütezeit der „Düsseldorfer Schule“, Professor für Genre-Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Das Ehepaar hat vier Kinder. Einer der Söhne, Adolf Siegert (1858-1923), wird später das Familienunternehmen leiten.

1857 | Drei Söhne ohne wirkliche Erben: Eduard, Carl und Julius

Außer der Tochter Mathilde haben Wilhelm und Elisabeth Jacobine de Haen noch vier Söhne. Drei von ihnen, Eduard, Carl und Julius, führen das Unternehmen weiter, als der Vater sich 1857 in den Ruhestand zurückzieht. Sie bauen das Unternehmen erfolgreich aus, das zu „den bestberufenen ihres Handelszweigs in Rheinland-Westfalen“ gehört. Teil des Erfolgs ist das Konzept, im Zuge der Industrialisierung auch technische Waren mit in den Handel aufzunehmen.

1875 | Nachfolger in Sicht

Das Führungstrio steht vor einer in Familienunternehmen typischen Herausforderung: der Unternehmensnachfolge. Im engeren Familienkreis gibt es keine geeignete Persönlichkeit, die das Erbe antreten könnte, im weiteren Radius aber einen Neffen, der zu passen scheint: Adolf Siegert, der Urenkel von Johann Gottfried Siegert, beginnt seine Kaufmannslehre bei dHCS.

1881 | Alter Rost, neue Erkenntnisse

Adolf Siegert kehrt in das Familienunternehmen zurück, das schon seit einigen Jahren mit zunehmender kapitalstarker Konkurrenz konfrontiert ist. Umsatzeinbußen sind die Folgen. Er beginnt mit frischer Kraft, neue Geschäftsfelder zu erobern. Geschäftskontakte aus seiner Londoner Zeit helfen dem jungen Unternehmer, den Warenhandel auszubauen und zu internationalisieren. Nicht fremd bleiben ihm Generationenkonflikte um die Unternehmensführung: „... nun musste ich die alte Erfahrung erleben, dass es schwerer ist, ein eingerostetes Geschäft mit alten Inhabern wieder aufzurichten, als ein neues Unternehmen mit junger Kraft und Wagemut zu beginnen.“ Adolf Siegert erkennt, dass der Markt für reine Medizinal-Drogen und Fein-Chemikalien begrenzt ist, wenngleich hier beste Qualitäten und ein hoher Grad an Dienstleistung gefragt sind. Er dehnt das Warenspektrum aus, spezialisiert sich auf technische Drogen, feine Harze und Gewürze, die in Industrie und Großhandel verwendet werden.

1887 | Adolf Siegert wird Teilhaber von dHCS

Die Anpassung an das sich wandelnde wirtschaftliche Umfeld trägt Früchte. Die Geschäftsräume in der Bilker Straße werden für das florierende Großhandelshaus zu eng. Auch privat gibt es Erfreuliches: Im Herbst heiratet Adolf Siegert Marie Bagel.
1893 stirbt der letzte der Brüder de Haen: Adolf Siegert wird alleiniger Geschäftsführer in dritter Generation. Sein Ziel ist es, den Betrieb zu vergrößern und den Handel durch die Fabrikation zu ergänzen.

Adolf Siegert steht beispielhaft dafür, dass die Aktivitäten des Familienunternehmens stark von den einzelnen Führungspersönlichkeiten geprägt wurden. Strategien ebenso wie Produkte sind eng mit den jeweiligen Inhabern verbunden.

1894 | Die ersten Anleger im Hafen

de Haen-Carstanjen & Söhne zieht in den Düsseldorfer Handelshafen. Das erste gepachtete Gebäude rüstet Adolf Siegert, sparsam wie er ist, mit veralteten Maschinen aus, was den ersten Fabrikationsversuch scheitern lässt. Daraufhin konzentriert er sich wieder auf den lukrativen Handel. Er vergrößert das Firmengelände und baut 1902 das Lagergebäude, das bis heute an dieser Stelle steht: als erste Lagerhalle aus Eisenbeton im Rheinland unter Denkmalschutz. Das Gebäude zeigt deutliche architektonische Parallelen zu der von Schinkel entworfenen Königlichen Bauakademie am Werderschen Markt in Berlin.

1914 - 1918 | Wirtschaften in Zeiten des Krieges

In den Vorkriegsjahren kann dHCS gute Ergebnisse erwirtschaften – trotz magerer Verkaufspreise. Möglich wird dies durch sparsames Wirtschaften und die bestmögliche Ausnutzung der wechselhaften konjunkturellen Lage. Außerdem setzt sich Adolf Siegert während des Krieges dafür ein, schwierig gewordene Handelsbeziehungen, vor allem zwischen dem Rheinland und Belgien, zu entspannen. Sein Rat und Sachverstand sind in verschiedenen Ausschüssen gefragt, die sich u.a. um die Versorgung der Bevölkerung kümmern und Verteilung von Lebensnotwendigem organisieren. Im Auftrag der IHK Düsseldorf reist Siegert nach Antwerpen, um die Wiederaufnahme unterbrochener Wirtschaftsbeziehungen zu verhandeln. Er engagiert sich auf vielen Ebenen uneigennützig für Gesellschaft und Gemeinwohl. Seine Söhne schreiben später über ihn: „ ‚Gemeinnutz vor Eigennutz’ war ihm kein Schlagwort, es war ihm unausgesprochenes, selbstverständliches Leitmotiv seines Lebens.“

1919 | Total Quality Management und Unternehmernachfolge

Adolf Siegert gibt die Unternehmensführung 1919 an seinen Sohn Theo weiter, der dHCS bis 1959 leitet. Auch in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten bleiben gute Produkte als Voraussetzung für zufriedene Kunden wichtiges Unternehmensziel: „Alle Drogen und Fabrikate unterliegen der dauernden Kontrolle unseres Laboratoriums und der Leitung eines approbierten Apothekers und staatlich geprüften Nahrungsmittel-Chemikers.“
Beste Qualität zu liefern, ist nicht nur Grundsatz, sondern auch Chefsache bei dHCS: „Alle Reklamationen werden vom Chef erledigt.“. Wie peinlich genau es dHCS mit der Qualität nimmt, verdeutlicht folgende Begebenheit: Als Theo Siegert einem Besucher eine Kostprobe Honig kredenzen möchte und er einen Mitarbeiter bittet, diese aus dem Lager zu holen, fragt der zurück: „Jern Chef, aber wollen Se den reinen oder den jarantiert reinen Honig?“

Der Hunger nach Waren ist groß nach dem Krieg, gestillt wird er mit Hilfe der soliden Geschäftsbeziehungen mit England. Allerdings bescheren Steuern, Währungsverfall und Lasten aller Art dem Unternehmen bescheidene Ergebnisse. Wieder helfen sparsames Wirtschaften und scharfes Kalkulieren.
Das Düsseldorfer Handelshaus versorgt weiterhin die alten Abnehmer in Rheinland-Westfalen und in den Nachbarprovinzen. Theo Siegert baut den Drogen- und Lebensmittel-Großhandel aus. Das Geschäft mit den Chemikalien gibt er auf, da die Rohstoffe weitgehend direkt bezogen werden. Als neue Geschäftstätigkeit kommt die Herstellung von Fruchtsirupen, Orangeat und Citronat (Marke „Niehenke“) hinzu.

Die Krise der 30er Jahre sowie die Scheinblüte des folgenden Wirtschaftsaufschwungs spiegeln sich auch in der Geschäftsentwicklung von dHCS. Im Rückblick beschreibt Theo Siegert diese Periode so: „Es kamen dann die stürmischen Zeiten der Inflation, und als wir diese glücklich überwunden hatten, kam die schlechte wirtschaftliche Zeit, dann das dritte Reich und dann der zweite Weltkrieg. Ich glaube, ich habe mir eine besonders unruhige Zeit für mein Wirken ausgesucht.“

 

1939 - 1945 | Schon wieder Krieg

Während des zweiten Weltkriegs werden die Fabrikgebäude zerstört. Die Versorgung der Lebensmittelgeschäfte wird allen Widerständen zum Trotz aufrecht erhalten. Möglich wird dies durch den Zusammenhalt der Mitarbeiter. Viele von ihnen sind dem Unternehmen schon seit vielen Jahren verbunden: „Diese Verbundenheit hat sich auch bei uns besonders stark gezeigt in den letzten Kriegswochen, wo wir während der Beschusszeit mit etwa 30 Männern und Frauen vom 1. März bis 17. April in unserem Keller hausten ... In dieser Beschusszeit versorgten wir die Lebensmittelgeschäfte mit 5-6 Wagen, die jeden Morgen hinausfuhren und die, wenn sie zurückkamen, ehrenvolle Narben des Beschusses aufwiesen.“

Nach dem Krieg nimmt die Bedeutung von Gewürzen für dHCS ab, entscheidender wird der Drogen- und Lebensmittel-Großhandel.

1949 | Auf zu neuen Ufern

Das Ende des Krieges bringt stark gewandelte Perspektiven mit sich. Neue Aufgaben warten, Lebensplanungen ändern sich. Statt in die Landwirtschaft kehrt Friedrich Siegert in das elterliche Unternehmen zurück, in den von ihm liebevoll despektierlich genannten „Saftladen“. Wiederaufbau, Erkenntnis neuer Kundenwünsche und wachsender Konsum fordern bei dHCS zupackende Hände und die Aufgeschlossenheit, sich zu verändern. Die Bedeutung von Gewürzen nimmt für das Unternehmen ab, entscheidender wird der Drogen- und Lebensmittel-Großhandel. Dazu gehört auch der Handel mit Wein und Spirituosen: Um vom stark zunehmenden Konsum zu profitieren, gründet Theo Siegert das Unternehmen Stromburg, das besonders mit der Weinbrandmarke „Attaché“ erfolgreich wird.

1952 | 125 Jahre dHCS: fröhliches Fest in den Rheinterrassen

In einem weitaus angenehmeren Rahmen als das 100-jährige Jubiläum können Gesellschafter und Mitarbeiter 125 Jahre dHCS feiern. Das Familienunternehmen besteht jetzt in der vierten Generation.

1959 | Friedrich Siegert übernimmt und investiert

Nach dem Tod von Theo Siegert im Jahr 1959 führt sein Sohn Friedrich das Unternehmen in fünfter Generation weiter. Er übernimmt eine Firma, die seine Vorfahren erfolgreich durch viele "Fährnisse" gebracht haben. Möglich wird dies für ihn vor allem deshalb: "Alle Erfolge, die unserer Firma beschieden waren, verdanken wir dem gegenseitigen Vertrauen und Respekt von Mensch zu Mensch." Friedrich Siegert führt die Marke Niehenke (Zitronat und Succade) zu einem Marktanteil von ca.25 Prozent. Moderne Abfüllanlagen helfen den Stromburg-Marken, die Nachfrage zu bewältigen.

1967 | „Gesparte“ Planung, vergessene Rechnung: » Liquiditätskrise

Spätestens 1967 stellt sich heraus, dass das Rechnungswesen mit der rapiden unternehmerischen Entwicklung bei weitem nicht Schritt gehalten hat. Es befindet sich „in ausbaufähigem Zustand“. Die Finanzierung des großen Umlaufvermögens in Drogen- und Lebensmittelhandel belastet die Liquidität ebenso wie die Investitionen in Stromburg und Niehenke. Man hatte an einer längeren Liquiditätsplanung „gespart“. Die Quittung kommt in Form einer vergessenen Zuckerrechnung: 400.000 DM müssen noch bezahlt werden. Die Liquiditätskrise ist da.



1967 | Gefahr als Chance: Friedrich Siegert ordnet das Portfolio neu

Friedrich Siegert macht aus der Krise eine Chance und überprüft das Portfolio von dHCS auf Zukunftsfähigkeit und die Erfordernisse der Liquidität. Es war in den vergangenen Jahren etwas wild gewachsen, nun wird es bereinigt. Das Ergebnis ist der Verkauf von Niehenke & Co. und des Lebensmittelgroßhandels. Die Schwartauer Werke von Arend Oetker übernehmen 1967 die Mehrheitsbeteiligung an Niehenke. Auch der Drogengroßhandel wird ausgegliedert und 1971 endgültig verkauft.
In allen drei Fällen gelingt das besondere Anliegen von Friedrich Siegert, die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter weitgehend zu sichern.

Im Gegenzug wird das sehr erfolgreiche Weinbrandgeschäft mit den Marken Attaché, Dukat und Noblesse ausgebaut. Dazu gehört auch die Modernisierung der Produktion. Eine kluge Entscheidung: Schon wenige Jahre später hatte sich der Umsatz verdoppelt und das Betriebsergebnis vervierfacht.

Tabelle Umsatz | Ergebnis Stromburg

1970 | Super Märkte, super Aussichten

Die Liquiditätskrise 1967 markiert für dHCS die Abkehr von der wenig profitablen Konsumgüter-Produktion (Niehenke) und dem finanzmittelintensiven Großhandel (Lebensmittel, Drogen). Friedrich Siegert erkennt frühzeitig die Chancen großflächiger Distribution und wendet sich deshalb den zukunftsorientierten Vertriebsformen der SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte zu. 1970 beteiligt sich dHCS an der Esbella, Mannheim. 1971 folgt die Beteiligung an Adolf Schaper, Hannover. Einfluss erhält Friedrich Siegert durch seine Mitgliedschaft im Verwaltungsrat.

1980 | Ex: Stromburg wird verkauft

Der Weinbrand Attaché hat sich derweil zu einer führenden Marke entwickelt.

Attaché

Jahr 1971 1975 1979 1980
Mio. Flaschen 2,7 3,0 4,7 5,6

Dennoch entscheidet sich dHCS nach gründlicher strategischer Analyse 1980, Stromburg zu verkaufen. Die wesentlichen Gründe für den Verkauf: Stromburg ist im Wesentlichen ein Ein-Produktunternehmen mit einer dominierenden Marke geblieben, deren Wachstum eine neue Produktionsstätte erfordert. Das Marktumfeld zeigt zwei Tendenzen: Die Vorliebe der Deutschen für ausländische Spirituosen begrenzt das Wachstum. Gleichzeitig führen zunehmende Alkoholkontrollen dazu, dass weniger Hochprozentiges getrunken wird.
In dieser Situation wird ein „best owner“ für Stromburg gefunden – nämlich die Firma Eckes, die mühelos die Vertriebserfordernisse von Stromburg abdecken kann. dHCS verkauft Stromburg an Eckes am 31.12.1980. Damit hat dHCS ein bereinigtes Portfolio – und einen ansehnlichen Buchgewinn.

1985 | Veränderungen und neue Geschäfte

Schaper in Hannover hatte sich prächtig entwickelt. Aus einer Beteiligung, die eine Krise überwinden helfen sollte, war ein ausgesprochen gutes Investment geworden. Schaper profitiert enorm von wachsenden Einzelhandelsflächen außerhalb der Stadtzentren, besonders die starke Marke „real-kauf“ bringt erfreuliche Gewinne. Esbella dagegen, anfangs starkes Zugpferd, verliert nach und nach an Marktgeltung. Vor lauter Freude über die hohen Margen haben es die Geschäftsführer versäumt, die Gewinne zu reinvestieren und hohe regionale Marktanteile zu sichern.

Bei Schaper ist es umgekehrt. Besonders im Nordwesten Deutschlands sind die Marktanteile sehr hoch, Logistik und Werbekosten im Vergleich zum Umsatz niedrig. Schaper aber wächst in Größenordnungen, die ein Eingreifen der zunehmend restriktiven Kartellbehörden bei jeder gesellschaftsrechtlichen Änderung befürchten lassen. Auch der Wettbewerb ändert sich: Immer mehr, immer größere Einzelhandelsflächen halten die Aussichten auf Wachstum und Wertsteigerung in Grenzen.

In dieser Situation spricht ASKO-Chef Wagner dHCS an, in der Absicht, die Schaper-Anteile vollständig zu erwerben. dHCS zögert nicht lange und verkauft. Das Timing für die Wiederanlage ist gut. Der Aktienmarkt beginnt zu steigen.

1977-2007 | Land-Wirtschaft neu aufgelegt: Fischzucht und Weinberge

Zurück zu den Wurzeln mag es für Friedrich Siegert gegangen sein, als er nach den großen Desinvestitionen Ausflüge in ein für ihn bekanntes Terrain, die Landwirtschaft, unternimmt. Er engagiert sich in der Auetaler Fischzucht und bei den Reverchon’ chen Weinbergen an der Saar.

Grundidee des Auetaler Fischunternehmens ist es, Forellen industriell und unabhängig von den Restriktionen der Teichproduktion zu züchten. Dies geschieht in großen Hallen, in denen die Setzlinge in unterschiedlichen Gefäßen bis zu schlachtreifen Forellen gezogen werden. Nach drei Jahren erreicht der Umsatz immerhin eine Höhe von 300.000 DM. Wirklich rentabel wird die Fischzucht jedoch nicht. Auch die Auszeichnung „einziger seuchenfreier Forellenzuchtbetrieb Niedersachsens“ ändert nichts daran. Womit das Experiment nach drei Jahren beendet wird.

Mit Wein hatte dHCS in früheren Zeiten bereits gehandelt. 1980 bietet sich die Gelegenheit zur „produktiven Ergänzung“: einige Filzener und Wilzinger Lagen an der Saar sind zu verkaufen. Friedrich Siegert verpachtet sie an das Weingut Reverchon. Zunächst fließt die Pacht problemlos, dann tauchen Schwierigkeiten auf. Einzelabnehmer gehen dazu über, sich über den Weinhandel komplette Angebote erstellen zu lassen – auch, um Lagerkapazitäten des Handels zu nutzen. Kontakte zum einzelnen Winzer gehen zurück. Reverchon ist darauf nicht vorbereitet. Das Weingut muss aufgeben. Viele andere Winzer machen ähnliche Erfahrungen, die Preise von Rebland fallen aufgrund mangelnder Rentabilität. Erst in letzter Zeit ist mit der Renaissance des Deutschen Rieslings eine Trendwende erkennbar, viele jüngere Winzer profitieren davon.

Nach rund 20 Jahren verkauft dHCS 2007 die Weinberge an das Weingut van Volxem zurück, damit auf den teils brach liegenden Böden der typische Saar-Riesling entstehen kann.
Insbesondere in der Landwirtschaft führt „absentee ownership“ nicht zu guten Ergebnissen.

1993 | Theo Siegert wandelt dHCS zum Familiy Office

Friedrich Siegert stirbt im Juni 1993. Nun übernimmt sein Sohn Theo Siegert als persönlich haftender Gesellschafter die Unternehmensführung von dHCS.

Aufgrund seines hauptberuflichen Engagements bei Haniel musste er die alte Familienfirma als „Nebenerwerbsbetrieb“ leiten. Die Geschäftstätigkeit konzentriert sich deshalb auf das Asset Management.

2002 | 175 Jahre dHCS: Familienfest mit Mitarbeitern - und Heinrich Heine

Das 175-jährige Jubiläum von dHCS findet am 2. Mai statt. Es wird im kleineren Kreis mit den alten Mitarbeitern im ursprünglichen Stammhaus der Familie, an der Bilker Straße 12-14, im heutigen Heinrich-Heine-Institut gefeiert.

2007 | Neuer Raum fürs Unternehmen

Im Sommer 2007 bezieht dHCS neue Geschäftsräume in Düsseldorf an der Königsallee 24. Zur Eröffnung sind auch die ehemaligen Mitarbeiter von dHCS geladen – ihnen allen, die in vielen Jahren und langen Tagen das Fundament der heutigen Firma geschaffen haben, gilt an dieser Stelle der herzliche Dank der Familie.

180 Jahre nach der Gründung hat sich dHCS zu einem Familiy Office entwickelt und wächst mit wertorientierten Investitionen – nicht untypisch für Unternehmen, die ehemals Handelshäuser waren.

Aktuell

Der unternehmerischen Tradition folgend herrscht bei dHCS, wie bei vielen anderen Familienunternehmen, eine irrationale Liquiditätspräferenz. Sie prägt auch das Asset Management. Die Asset Allocation wird alljährlich mit dem Verwaltungsrat von dHCS diskutiert; abgestimmt und ggf. adaptiert. Trotz konservativer Anlagepolitik werden bei geringem Risiko ansprechende über-Par-Renditen erzielt.
Die aktuelle weltweite Phase niedriger Zinsen führt nicht zu verminderter Risiko-Disziplin. Diversifikation in Währungsräume und Asset-Klassen behalten ihren hohen Stellenwert.